38 Schülerinnen und Schüler des 11. und 12. Jahrgangs des Tilman-Riemenschneider-Gymnasiums (TRG) Osterode unternahmen im Oktober eine Studienfahrt nach Krakau. Im Mittelpunkt der Reise standen der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz und des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Darüber hinaus beschäftigten sich die Jugendlichen mit der Geschichte der polnischen Jüdinnen und Juden sowie der polnischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs.
Am ersten Tag erkundete die Gruppe Krakau im Rahmen zweier Stadtführungen. Die erste führte durch das jüdische Viertel Kazimierz und widmete sich insbesondere der Geschichte des jüdischen Lebens vor dem Zweiten Weltkrieg. Zu den Stationen gehörten die bedeutende Remuh-Synagoge und der angrenzende jüdische Friedhof.
Nach einer wohlverdienten Mittagspause stand die historische Altstadt Krakaus auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler besichtigten unter anderem die Marienkirche, die Universität und die Tuchhallen. Auch die Krakauer Burg auf dem Wawel, dem geschichtsträchtigen Schlossberg der Stadt, gehörte zu den Stationen der Führung.

Am folgenden Tag besuchte die Gruppe das ehemalige Stammlager Auschwitz I in Oświęcim. Sachkundige Guides begleiteten die Schülerinnen und Schüler durch die Gedenkstätte und vermittelten eindrücklich die Geschichte des nationalsozialistischen Konzentrationslagers. Die Führung hinterließ bei allen Teilnehmenden tiefe Eindrücke und regte zum Nachdenken an. Besonders bedrückend war die Auseinandersetzung mit der Frage, wie derartige Verbrechen möglich werden konnten und wie so viele Menschen ihre Umsetzung unterstützen oder zulassen konnten.
Am Nachmittag besuchte die Gruppe die ehemalige Fabrik von Oskar Schindler. Die dortige Ausstellung veranschaulicht anhand zahlreicher Exponate und teilweise interaktiver Elemente die deutsche Besatzungszeit in Krakau und die Lebensbedingungen der Menschen unter der nationalsozialistischen Herrschaft.
Noch beklemmender war am darauffolgenden Tag der Besuch des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Der Ort steht bis heute als erschütterndes Symbol für den systematischen Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten. Das Lager wurde ab 1941 errichtet und bis zur Befreiung durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 auf eine Fläche von rund 170 Hektar(!) erweitert. Die von den Nationalsozialisten geplante endgültige Ausbaustufe wurde jedoch nie erreicht. Auschwitz-Birkenau war Teil des größten deutschen nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagerkomplexes.
Im Zuge der systematischen Spurenvernichtung zerstörten die Deutschen kurz vor der Befreiung zahlreiche Gebäude, darunter die Gaskammern und Krematorien. Der Rundgang über das weitläufige Gelände war für die Schülerinnen und Schüler besonders bedrückend. Das Wissen um die unvorstellbaren Verbrechen, die an diesem Ort begangen wurden, verlieh jedem Abschnitt des Weges eine beklemmende Bedeutung.
Die Guides wiesen zudem darauf hin, dass sich auf dem Gelände Überreste menschlicher Asche befinden können. Dadurch wurde den Jugendlichen besonders deutlich, dass sie sich an einem Ort befinden, der zugleich Tatort und Friedhof ist. Tief bewegte die Gruppe auch die Vorstellung, dass selbst heute noch im Bereich des ehemaligen Effektenlagers „Kanada“ und in dessen Umgebung kleinste Gegenstände der Opfer auf dem Boden gefunden werden können. Sie stehen stellvertretend für die Menschen, denen die Nationalsozialisten ihre Würde, ihre Heimat und schließlich ihr Leben nahmen.
Auf der langen Rückfahrt nach Osterode hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, die Eindrücke und Erfahrungen der vergangenen Tage zu reflektieren. Die Studienfahrt vermittelte nicht nur historisches Wissen, sondern machte auch die menschlichen Dimensionen der nationalsozialistischen Verbrechen unmittelbar erfahrbar.
Für viele bleibt die Frage, wie ein derartiges Menschheitsverbrechen und ein so tiefgreifender Zivilisationsbruch möglich werden konnten. Ebenso beschäftigt die Jugendlichen, weshalb so viele Menschen wegsahen, die Vernichtung unterstützten oder sich aktiv daran beteiligten. Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen zeigt, wie wichtig die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und die Beschäftigung mit den Ursachen und Folgen von Ausgrenzung, Entrechtung und Menschenverachtung sind. Die Fahrt nach Krakau und Auschwitz war damit nicht nur eine eindrucksvolle historische Erfahrung, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur historisch-politischen Bildung und zur Verantwortung für die Gegenwart.










